Der Winter hat mich eingeladen, langsamer zu werden. Ich habe diese Zeit genutzt, um wirklich zu entspannen, zu entschleunigen und zur Ruhe zu kommen. Erst in dieser langsam entstehenden Weichheit wurde mir bewusst, unter wie viel Anspannung ich die letzten Monate gestanden hatte.
Puh…
Leere.
Überreiztheit.
Keine Kapazität, den jetzigen Moment bewusst zu erleben.
Stattdessen Betäubung durch Serien, ständige Beschallung und das Flüchten in den Schlaf.
Kennst du dieses Gefühl? Oder etwas Ähnliches?
Die Illusion der schnellen Entspannung
Auch in dieser Phase habe ich viele Methoden genutzt, die eigentlich der Entspannung dienen: Yoga, Meditation, Atemtechniken.
Und ja – sie haben mir eine Pause geschenkt. Ein Auftanken. Kraft.
Aber nachhaltig war es nicht.
Warum?
Ich habe diese Techniken genutzt, um meine Akkus wieder aufzuladen, nur um dann genauso weiter zu machen wie bisher. Ich habe die gewonnene Energie eingesetzt, um weiterhin in einem System zu funktionieren, das mir nicht guttut. In einem Modus, in dem ich kontinuierlich über meine Grenzen gehe.
So wertvoll diese Methoden sind – in dieser Struktur konnten sie nicht nachhaltig wirken.
Die Kraft des echten „Nichts-Tuns“
Erst durch das wirkliche Entschleunigen, das „Nichts-Tun“, das in den letzten Wochen wieder möglich wurde, ist mir klar geworden:
Diese Techniken wirken.
Sie sind wertvoll.
Aber sie können nur dann tief greifen, wenn ich bereit bin, auch mein Verhalten, meine Muster und mein Tempo zu hinterfragen
Achtsamkeit entsteht nicht im Funktionsmodus.
Klarheit entsteht nicht im Dauerlauf.
Und echte Ruhe entsteht nicht, wenn wir sie nur als Werkzeug nutzen, um wieder leistungsfähig zu sein.
Manchmal braucht es das mutige Innehalten.
Das ehrliche Hinschauen.
Das Eingeständnis: So kann es nicht weitergehen. So will ich nicht weitermachen.
Und ich weiß aus eigener Erfahrung. Es scheint schwer. Manchmal unmöglich. Und wir benötigen Achtsamkeit um unsere Muster überhaupt sehen und erkennen zu können.
Doch irgendwann kommt der Punkt, da werden die Dinge wieder klarer. Dann können wir unsere innere Stimme wieder hören.
Die Angst vor alten Mustern
Und gleichzeitig ist da diese leise Stimme im Hinterkopf:
Was, wenn ich wieder in alte Muster falle?
Vermutlich wird das passieren.
Denn Muster verschwinden nicht über Nacht.
Aber ich vertraue darauf, dass ich inzwischen genug gelernt habe, um es früher zu bemerken als beim letzten Mal. Um schneller die Reißleine ziehen zu können. Um mich selbst nicht mehr so lange zu übergehen.
Entschleunigung als Haltung
Vielleicht ist das der eigentliche Kern von Entschleunigung:
Nicht perfekt zu sein, sondern achtsam.
Nicht alles im Griff zu haben, sondern sich selbst zu spüren.
Nicht durchzuhalten, sondern innezuhalten.
Ruhe ist kein Zustand, den wir erreichen.
Ruhe ist eine Haltung, die wir immer wieder neu wählen.
Und manchmal beginnt sie mit etwas so Einfachen – und gleichzeitig so Mutigem – wie dem bewussten „Nichts-Tun“.


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